Zoltan Szalay

Ausstellungsmacher – Lehrer – Pressefotograf. Alle diese Tätigkeiten beziehen sich auf ein und dieselbe Person, auf Zoltan Szalay. Jedoch was wir nicht vergessen dürfen ist, dass Szalay auch ein ungarischer Landsmann ist. Wie Sie aus den Medien vernommen haben, war am 1. Mai der Stichtag für die Osterweiterung der Europäischen Union, zu welcher nun auch Ungarn gehört. Dieses Ereignis bringt uns die wichtigen Eckpunkte der jüngeren Geschichte von Ungarn wieder in unser Gedächtnis. Einerseits der am 23. Oktober 1956 niedergeschlagene Volksaufstand, und andererseits die Wende, auch am 23. Oktober, jedoch im Jahr 1989 mit der Proklamation der Demokratie und der Ungarischen Republik. Während dieser Zeit arbeitet Zoltan Szalay als Pressefotograf und fängt somit den Zeitgeist dieser Epoche in seinen Fotografien ein. Es ist eine Epoche, die bildlich gesprochen mit dem eisernen Vorhang illustriert werden kann, die somit ein ambivalentes Verhältnis der aufdeckenden und ergründenden Pressefotografie verdeutlicht.

Geboren 1935 in Budapest, war Szalay bereits1954 Berichterstatter bei Févarosi Foto Company und nach dem Militärdienst (1955/56) während 30 Jahren Mitarbeiter von Radio Üjsag. Schon 1962 wurden seine Fotografien mit der Goldmedaille von MADOME, der ungarischen Fotografengesellschaft, ausgezeichnet. Seit 1964 war er als Mitarbeiter beim Tükör Magazin und 1972 bei Üj Tükör tätig. Ab 1981 organisiert er die jährlichen Pressefoto-Ausstellungen. Von 1983 bis 1990 war er Bildredaktor bei Magyar Hirlap bzw. Kurir, und 1992 gab er das Fotoalbum „Parliament“ heraus. Dann, 1993 arbeitete er als Bildredaktor bei Blikk und seit 1995 ist er als freischaffender Fotograf tätig. Szalay gilt als Lehrer und Vorbild für viele junge ungarische Fotografen, die er mit seiner Arbeitsweise und mit strengen Regeln zur Pressefotografie inspiriert hat. Im Jahr 2000 wurde Szalay mit dem Pulitzerpreis sowie dem Tancsice Mihaly Preis geehrt. Seit 1996 werden seine Fotografien zum Zyklus „Gesichter der Musik“ in zahlreichen Museums-Ausstellungen in Ungarn gezeigt. 1999 stellte das „Ungarische National Museum“ in Budapest seinen Foto – Zyklus „Gesichter, Augen, Gesten“ aus und 2002 die „Ungarische National Galerie“ in Budapest seinen Foto – Zyklus „Vier Jahreszeiten auf dem Weinberg“

„Das Ziel des Fotografen besteht darin, zu spiegeln was er gesehen und erfahren hat. Dieses Spiegelbild darf in keiner Weise und in keiner Richtung von unserer Lebensrealität abweichen…“ so die Aussage von Szalay. Nun könnte die Meinung bei den einen oder anderen aufkommen, dass die Fotografie aus ihrer physikalischen und mechanischen Funktionsweise fast gezwungenermaßen die Wirklichkeit bzw. die Realität wiedergeben muss. Dies stimmt jedoch nur zum Teil, denn es ist der Fotograf, der das Sujet, den Bildausschnitt und den Moment des Fotografierens bestimmt, und somit einen erheblichen Einfluss auf die visuelle Gestaltung, Aussagekraft und Wirkung des Endergebnises hat. Die geforderte Objektivität und Realitätstreue, welche Szaley als Pressefotograf verfolgt, bezieht sich nicht nur auf die Wiedergabe einer oberflächlichen Realität sondern auf etwas viel Tiefgründigeres. Sein Ziel ist, eine fast puritanische Ehrlichkeit und Zeitlosigkeit in der Fotografie zu erreichen, welche eine klare und einfache Bildkomposition hat, sowie das Essenzielle des Momentes zu erfassen, um die unter der Oberfläche verborgene Wahrheit  jenes kurzen Momentes sichtbar zu machen und zu verewigen.

Wenn ich nun die Fotografien hier in der Ausstellung betrachte, die alle unter dem Titel “Gesichter der Musik“ zusammengefasst sind, so fällt mir nach einem Moment der Verinnerlichung auf, dass Szalay es geschafft hat, was ich nur für sehr selten oder sogar für unmöglich gehalten habe. Er erreicht eine Visualisierung der Musik durch die Expressivität der Bewegung, Haltung und Gestiken der agierenden Dirigenten und Musiker. Eine Stimmung des Momentes wurde festgehalten, die Intensität und Emotionalität vermittelt, was ich meist nur dann empfinde, wenn ich die Musik selbst erlebe. Bei den „Gesichtern der Musik“ geht es also nicht nur um die reine Identifizierung der berühmten Musiker von Ungarn, oder um einfache Portraitaufnahmen, sondern um die Vermittlung des intensiven Augenblickes, des kreativen Prozesses dieser Musiker, die in jenem Moment nicht nur Musik schaffen sondern diese auch leben und fühlen. Dieser Ausdruck von tiefer Freude, voller Konzentration, vollkommender Verinnerlichung, aber auch vom schmerzlichem Versagen hat Szalay feinfühlig in diesen Fotografien festgehalten. Wir könnten dies sonst nur mit viel Glück persönlich miterleben, wenn uns ein solch intimer Einblick in das Schaffen der Musiker erlaubt wäre. In den Abbildungen zum Beispiel mit Szvjatoslav Richter, Annie Fischer, Charles Munch oder Kobayashi wird verdeutlicht, dass die sonst als Giganten der Musik gehaltenen Musiker in einer menschlichen Dimension und im Einswerden mit der Musik dargestellt sind. Dies erreichte Szalay nur, weil er mit einer ungewöhnlichen Geduld wohl Stunden, Tage, Wochen oder auch Jahre gewartet hat, diese einzigartigen, dramatischen und intimen Momente einzufangen. Er hat sie im richtigen Moment an verschiedenen Orten aufgenommen, wie im ungarischem Radiostudio, in Übungsräumen, in Konzerthallen, oder während ungezwungenen Gesprächen bei den Musikern zu Hause. Das Credo des Fotografen Zoltan Szalay besteht darin, den Künstler und den Menschen, der Wunderbares schafft, in ein Bild zu bannen, und darin Stille, Witz, Konzentration, Verinnerlichung, Kontemplation und Aufgelöstsein als authentische und all umfassende Augenblicke des Künstlers festzuhalten.

Abschließend möchte ich noch folgendes beifügen: Die hier ausgestellten Fotografien von Zoltan Szalay bringen mit den vom ihm befolgten ethischen Grundregeln wie: Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und ungebrochener Realitätstreue, nicht nur die audio-visuellen Ebenen zusammen, sondern sie zeigen auch das künstlerische Potenzial auf, welches aus der jüngeren Geschichte Ungarns für uns lange verborgen blieb. Erst jetzt beginnen wir diese zu entdecken. Die momentanen Ausstellungen von ungarischen Fotografen, wie zum Beispiel die im Lichthof des Auswärtigen Amtes von Deutschland in Berlin, mit Werken des Begründers der humanistischen Fotografie, André Kertész, des Kriegsfotografen Robert Capa und des ersten Meisters der Werbefotografie, József Pécs, die alle in der Zeit zwischen 1915 und 1996 entstanden sind, beweisen diese Tendenz. Umso mehr freut es mich, Ihnen, ob nun als Musikbegeisterte oder Fotografie Interessierte, diese Zeugnisse der ungarischen Kreativität heute mit den Fotografien von Zoltan Szalay vorzustellen zu dürfen.

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