Ich bin Legasthenikerin und das wird sich kaum noch ändern

Eigentlich könnte ich hier aufhören den im Grunde ist damit alles schon gesagt. Und dennoch möchte ich hier etwas genauer ausschreiben, was das für mich bedeutet. Ich bin Legasthenikerin. Das heisst, dass ich eine Lese und schreib schwäche hab im Vergleich zum Durch­schnitts­menschen. Noch konkreter heisst das ich so ca. 2-mal bis 3-mal länger brauche, einen Text zu lesen. Beim Schreiben heisst das sogar, das ich nicht einen Text 100% fehlerfrei schreiben kann, ohne die Fehler je zu bemerken oder einfach mir die korrekte Rechtschreibung nicht merken kann, sprich bekannt ist. Alles halb so schlimm werden bestimmt nun einige sagen. Falsch, muss ich hier entgegnen aber richtig ist, dass ich eben damit leben muss.

In einem Land zu sein, in welchem eigentlich Deutsch eine Fremdsprache ist, weil ja mehrheitlich Schweizerdeutsch die Sprache ist, mit der man sich im Alltag umgibt, macht es sicher auch nichteinfacher. Nun denn, ich möchte hier auch nicht das Lied des Bedauerns einstimmen den dafür ist es eh viel zu spät und so oder so nicht wert.

Wie lebt man den als Person mit Legasthenie? Man kommt so durch, sofern man nicht darauf angewiesen ist, etwas fehlerfrei Schriftliches von sich zu geben und dafür abgewertet oder als dumm zu gelten. Das beginnt mit Kurznachrichten, Facebook und Blog Beiträgen, E-Mails und Briefe, weiter mit Bewerbungsschreiben, und wenn es hochkommt, auch kleinere Texte, Abschlussarbeiten oder auch Bachelor Arbeiten. Wie man sieht, es ist machbar, aber das Ganze hat ein Hacken. Es ist sehr anstrengend Texte so zu schreiben. Das Schreiben an sich ist das eine, wenn das Korrigieren und Redigieren nicht wäre, das sicher 5 bis 10-mal länger benötigt. Zum Glück gibt es aber Tools, die einem beim Korrigieren helfen können wie, Rechtschreibprogramme, Duden online, Diktier oder Sprachausgabe von Texten. Aber wenn man einmal ehrlich ist, diese Hilfen beseitigen auch nicht alle Fehler und so ist man auf eine Person des Vertrauens oder sogar auf professionelle Lektoren angewiesen, den Text etwas durchzubürsten. Das Ganze braucht einerseits viel mehr Energie, Zeit und kann sogar etwas kosten. So ist es ein ständiges Abwägen, wie intensiv man Korrigieren und überarbeiten möchte. So ist es nun mal und das wird sich wohl kaum noch ändern.

Und dennoch möchte ich deswegen nicht darauf verzichten zu müssen, etwas zu lesen oder im Besonderen auch etwas zu schreiben zu dürfen. Gerade wegen meines Handicaps ist es mir wichtig, meine Ideen und Gedanken auch textlich ausdrücken zu können. Ohne Angst auf Fehler, die darin sein könnten. Ohne Peinigung von den Beschützern der deutschen Sprache oder besser gesagt den Grammatikterroristen die nur darauf warten Fehler zu finden und einen schulmeisterlich in die Schranken zu weisen, was richtiges und korrektes Deutsch ist. Ich bin nämlich nicht dumm nur, weil ich Legasthenikerin bin. Den trotz Legasthenie und dass – Verzeihung – ohne motherfucking Matur hab ich ein Bachelor in Fine and Decorative Arts in London abgeschlossen. Wohl gemerkt also in einer Fremdsprache. Ich denke, diese Leistung ist eine Würdigung wert, was ich hier mitgemacht habe.

Ganz generell bin ich der Meinung, dass jeder, trotz den einen oder anderen Fehler, einen Text verstehen kann, wenn die lesende Person sich für den Inhalt interessiert. Ich bin mir sicher, dass damit nicht alle einverstanden sind, aber so ist das nun eben und das wird sich kaum noch ändern. Soweit so gut, somit ist eigentlich alles gesagt und ich möchte hier nur noch auf den Disclaimer zur Legasthenie und Rechtschreibung verweisen, welcher von nun an im Impressum vorhanden sein wird.

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